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FAMILIE VON ROLL VON EMMENHOLZ

Franz Peter Ludwig Leo Freiherr von Roll von Emmenholz war der am 19. April 1771 geborene Sohn des Franz Urs Joseph Victor Wilhelm Freiherr von Roll, Oberster im französischen Schweizergardenregiment, und der Maria Anna Eva Beatrix Gräfin de Diesbach de Torny. Ludwig von Roll’s Vater, der bis zum Range eines "maréchal de camp" (Feldmarschall) emporstieg, war der einzige Sohn des bekanntesten Solothurner Standesoberhauptes im 18. Jahrhundert, des Schultheissen Franz Viktor Augustin Freiherr von Roll und der Maria Johanna Margarita Viktoria von Besenval (sie brachte das Palais Besenval, genannt "zum Neubau" als Mitgift in die Familie von Roll

.

Schultheiss Augustin liess seinen Sohn, der von Ludwig XV schon in der Wiege militärisch ausgezeichnet wurde und für die Offizierslaufbahn bestimmt war, eine ausserordentliche Erziehung zuteil werden. Zum Abschluss seiner Studien zog dieser 1759, von einem Hofmeister begleitet an das kostspielige Kollegium für Adelige in Turin, wo er 2 Jahre lang Philosophie (Logik, Metaphysik und Physik), Mathematik und Historie studierte, tanzen, reiten und fechten, Italienisch und Französisch lernte und von wo aus er nach bestandenem Examen längere Reisen nach Bergamo, Venedig, Milano, Bologna, Florenz, Pisa, Siena, Rom und Neapel unternahm. Im Sommer 1761 kehrte er über das Tirol nach Hause, wo er sich unter des Vaters Anleitung den Staatsgeschäften widmete und 1763 in den Grossrat gewählt wurde. 1765 vermählte er sich mit Maria Anna von Diesbach und gründete im "Neubau" eine Familie. Seit 1764 in französischen Diensten, war er am Hof bald gern gesehen. Als Brigadegeneral zum Ritter des Lazarus- und des Ludwigsordens geschlagen, zählte er zu den führenden ausländischen Offizieren der französischen Armee. Trotz dieser glänzenden militärischen Laufbahn wollte der feingebildete Mann seine Söhne, obwohl sie 3 Jahre in Frankreich eine Offiziersschule absolvieren mussten, nicht dauernd dem Fremddienst zuführen, und so wurden sie nach Ausbruch der Französischen Revolution im Jahre 1789 unter seiner Leitung zu Staatsmännern erzogen.

Der ältere, Ludwig, gründete 1792 einen eigenen Haushalt, mit der reichbegüterten Waisen Maria Ludowika Karolina von Stäffis von Mollondin, Tochter des Ratsherren Johann Viktor Joseph und der Johanna Maria Gräfin von Dürrfort-Leobard, die ihm, ausser einer gleich nach der Taufe gestorbenen Tochter, noch 2 Kinder, einen Sohn Franz Ludwig Barnabas und eine Tochter Kleophea Margarita, schenkte. Ludwig von Roll, der im grossen Stäffishaus, dem heutigen Gemeindehaus, wohnte, wurde 1794 Major der solothurnischen Fusstruppen und damit Mitglied des Kriegsrates. Im gleichen Jahr wurde er angesichts "seines unermüdeten Bestrebens zum Vorteil des Landbaues und Äufnung der Ökonomie zu arbeiten", zum Kandidaten der Ökonomischen Gesellschaft gewählt und gab sich alle Mühe, mit den modernsten Problemen der Wirtschaft, nicht zuletzt durch fleissiges Studium der damals aufblühenden Nationalökonomischen Literatur, vertraut zu werden. Im Jahre 1796 zum ordentlichen Mitglied befördert, verehrte er der Gesellschaft im schönen Stäffishaus ein ständiges Lokal.

Mit einem Antrittsvortrag über den Pfundkleeanbau begann von Roll eine Tätigkeit, die rasch fruchtbar wurde, besonders als nach dem Besuch in Balsthal, die Frage der Eisenerzgewinnung Gegenstand lebhafter Erörterungen bildete. Von Roll schlug vor, angesichts der Tatsache, dass "ein gewisser schwarzwäldischer Eisenschmelzer, Meyer aus Murg, ob Balsthal Bohnerz zum Behuf seiner Schmelze graben lässt, den Handel bemeldeten Bohnerzes in hiesigem Lande des daraus zu ziehenden Gewinnes halber mit Bewilligung an sich zu ziehen, da diese Erzart zum Schmelzen sehr brauchbar sei, und selbe ohne vieles Nachgraben mit geringen Kosten gesammelt werden könne". Auf seinen Antrag wurde ermittelt, was das Abbauen, Waschen und Ausserlandführen kosten würde; denn von Roll war der Überzeugung, dass das Solothurner Erz wegen Holzmangels niemals im Land selbst geschmolzen werden könne. Er erkundigte sich nach den Absatzmöglichkeiten für Roherz, u. a. auch bei Bergdirektor Gruner in Aarau, der den Schwarzwälder Eisenwerken Erz lieferte.

Von Roll begann die Ausbeutung des Huppererde-Vorkommens zu Matzendorf auf eigene Rechnung, weil er davon das Aufblühen einer Schmelztiegel- Fabrikation erwartete. Gleichzeitig nahm er Verhandlungen auf mit dem Direktor des Eisenwerkes in Courrendlin, Rebetez, der sich tatsächlich für den Bezug von Bohnerz interessierte. Parallel dazu trat er auch mit dem Hammerwerkbesitzer Heinrich Murer in Verbindung, der für Oberburg bei Burgdorf grössere Erzmengen suchte. Mitten in dieser hoffnungsvollen Entwicklung brachen in der Schweiz Anfang 1798 Unruhen aus, die den Unterhandlungen ein Ende bereiteten.

 

Die französische Revolution weckte in Solothurn sowohl bei der Regierung, als auch bei einem grossen Teil des Volkes zu Stadt und Land eine ausgesprochen ablehnende Haltung. Die französischen Flüchtlinge wurden mit Sympathie aufgenommen, das sich revolutionär gebärdende Personal des Ambassadors ausgewiesen, Transporte nach Frankreich unterbunden. 1792 verliess die französische Gesandtschaft den Ambassadorensitz in Solothurn. Eine alte Welt geriet aus den Fugen. "Die verschiedene politische Einstellung und die Grenzlage, namentlich seit der Besetzung des Bistums Basel, gaben Anlass zu militärischen Massnahmen, Grenzverletzungen, vielen Zwischenfällen und Reibungen. Seit der Okkupation der Juratäler durch die Franzosen, verwandelte sich allerdings die verstecktfeindliche Haltung des Rates in schwächliche Nachgiebigkeit, gegenüber der französischen Forderungen" (Hermann Büchi).

Als die erwartete bernische Hilfe ausblieb, brach Solothurn zusammen. Am 2. März 1798 boten Marschall von Roll, dessen militärischer Laufbahn die Revolution ein Ende gesetzt hatte, sowohl General Altermatt, der Befehlshaber der solothurnischen Truppen, Schützenhauptmann Weltner, die Alträte Brunner und von Vivis General Schauenburg Waffenstillstand und Kapitulation der Stadt an. Die Aristokratie war seit diesem Tage "nicht nur politisch machtlos, sondern sie wurde von den Bringern der Freiheit als die Objekte ihrer Begierten betrachtet" (Altermatt). Die Franzosen belästigten sie mit "übertriebenen Einquartierungen, hoben sie als Geisseln aus und belegten sie mit unverhältnismässig hohen Kontributionen". In kurzer Zeit sollten sie eine Vermögensabgabe von 2 Millionen Franken einliefern. Zur Sicherung der Zahlung liessen die Befreier 10 Aristokraten als Geisseln nach Strasbourg und Hüningen führen. Trotz Sequestierung der patrizischen Vermögen wurde jedoch "nur" eine halbe Million bezahlt: Mehr war nicht zu erhalten, aber nicht darum, "weil die Aristokraten nicht so reich waren, wie man glaubte, besonders seitdem die französischen Pensionen und Jahrgelder versiegt waren", wie immer wieder zu lesen ist, sondern weil das Kapital der Aristokratie in der Hauptsache auf dem Lande angelegt war und die plötzliche Kündigung der Gülten einen wirtschaftlichen Zusammenbruch und einen Aufstand der Bauern zur Folge gehabt hätte. Selbst der Entzug der halben Million Livres bedeutete eine starke finanzielle Schwächung der betroffenen Familien und des Kantons, aus dessen Staatsschatz die Franzosen ausserdem 915000 Livres Bargeld und Auswärtige Schuldtitel entführten. Die Familie von Roll selbst hatte sehr grosse Opfer für die Erhaltung der Eisenwerke aufzubringen: