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VOM EISENWERK ZUM STAHLPRODUZENTEN

Die Anfänge der Von Roll gehen auf das Jahr 1804 zurück. Franz Peter Ludwig Leo Freiherr von Roll von Emmenholz gründete damals eine Steingut- und Fayancen-Fabrik im solothurnischen Matzendorf und in Aedermannsdorf. Kurze Zeit später stieg er in die Eisenverhüttung ein und schoss Kapital in die damaligen Thaler Erzabbau- und Schmelzbetriebe ein. Nur zehn Jahre später erhielten die Hoffnungen auf einen raschen Aufstieg einen jähen Dämpfer. Die französischen Teilhaber stiegen aus dem Projekt aus. Es fehlte Kapital für die Weiterführung des Betriebes. Schliesslich gelang es Ludwig Von Roll zusammen mit dem Mittelsmann Josef Lack dennoch das Unternehmen zu retten. Der Basler Bankier Emanuel La Roche stellte neue Mittel zur Verfügung und half so, die drückende Schuldenlast zu lindern.

Bereits 1818 wurde in Gerlafingen Roheisen zu Stahl gefrischt und verschmiedet. Die französische Wirtschaftskrise von 1826/27 warf Von Roll nochmals zurück. Dann folgten 40 Jahre, in denen das Unternehmen vom hohen Eisenbedarf im Zuge der Industrialisierung profitierte. 1836 ging in Gerlafingen das erste Blechwalzwerk in Betrieb. Der Krieg von 1870/71 stürzte Von Roll erneut in eine Krise. Sie führte zur Entlassung zahlreicher Mitarbeiter. Im anschliessenden Aufschwung gewann das Unternehmen an Grösse. In den 80er Jahren des vorletzten Jahrhunderts importierte das Werk Gerlafingen auf dem Wasserweg vorgewalzte Blöcke und Knüppel, das sogenannte Halbzeug, aus Frankreich, Deutschland und Luxemburg. Mit der Zeit führten die ausländischen Werke statt des Rohmaterials gleich die Fertigprodukte in die Schweiz ein. Doch "trotz der Ungunst der Verhältnisse", wie es in den Annalen heisst, vermochte sich das Walzwerk in Gerlafingen zu behaupten. 1916 wurde das erste Stahlwerk erstellt. Die Stahlproduktion nahm in den folgenden Jahren stetig zu. Im Ersten Weltkrieg hatte das Walzwerk Schwierigkeiten, das Halbzeugmaterial aus dem Ausland zu importieren. Im zweiten Weltkrieg sicherte Von Roll zu einem guten Teil die Versorgung der Schweiz mit Eisen und Stahl.

In der eigentlichen Blütezeit des Stahlwerkes, in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, verdienten gegen 3000 Personen ihren Lebensunterhalt am Standort. Die Fokussierung auf spezifische Märkte und der technische Fortschritt führten zur Anpassung des Personalbestandes auf rund 500 Mitarbeitende und 35 Lernende. Die Produktionsmenge stieg im gleichen Zeitraum an. Im Rahmen einer Neuausrichtung verkaufte die Von Roll AG ihr ehemaliges Departement Stahlprodukte 1996 an die von Moos AG, die heutige Swiss Steel AG. 2003 übernahm der Konzern Schmolz und Bickenbach die Firmengruppe. Mit der Übernahme durch die italienische Beltrame Group 2006 erfolgte die Integration in eine im Profilstahlmarkt erfolgreiche internationale Unternehmensgruppe. Heute produziert das Stahl Gerlafingen qualitativ hochstehende Stahlprodukte für die Bauwirtschaft und die Industrie in der Schweiz und in Europa.